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Neuigkeiten unserer Gemeinde

Wer erkennt es – AugustwererkenntAug21

August – Urlaubszeit! Die Ferien haben begonnen und die Menschen lechzen nach Urlaub, nach Erlebnissen. Ob nun Strand oder Berge, ob Entspannung oder Action, Hauptsache Ablenkung vom grauen Alltag. Und da kommt mir ein Lied in den Sinn, welches sich tief in mein Innerstes eingebrannt hat. Hier der Text:

Hallo Nacht, mein alter Freund -
ich rede gern mit dir erneut,
weil Visionen sanft mich trafen;
setzten mir ihre Saat beim Schlafen.
Und die Vision, die gesät ist in mein Hirn,
bleibt noch drin,
mitten im Klang des Schweigens.

In schwerem Traum ging ich allein
enge Gassen, Pflasterstein;
unter einem Laternen-Licht
schloss ich meinen Kragen dicht.
In meine Augen stach ein Blitz voller Neon-Pracht,
brach durch die Nacht
und traf den Klang des Schweigens.

Und in dem nackten Licht sah ich
zehntausend Leute dicht an dicht.
sie reden und sagen nichts aus,
hören, doch machen sich nichts draus.
Leute schreiben Songs, die niemals jemand singt,
und niemand bringt's
zu stör'n den Klang des Schweigens.

„Narren!“ sag ich, „wisst ihr nicht,
Schweigen trägt den Krebs in sich.
Hört auf das, was ich euch geb',
greift meinen Arm, der fest euch trägt.“
Doch meine Worte tropften leise,
verhallten hohl im Schlund des Schweigens.

Und die Leute rühmten kalt
ihr goldenes Neon-Kalb.
Und vom Himmel blitzt' die Warnung,
formt' Worte voller Bedeutung.
Sie lauten: „Lies die Worte der Weisen,
gesprayed an U-Bahn-Wällen
und dunklen Stellen -
sie stimmen ein ins Lied des Schweigens.“

In Träumen verarbeiten wir unsere Realität, unsere Probleme und unsere Eindrücke. Aber noch viel mehr, denn in Träumen öffnen wir unsere Seele und sind empfänglich für Wahrheiten. Das war schon immer so. Denken wir an Geschichten aus der Bibel, Gott redet in Träumen mit den Menschen, „schreckt er sie auf und warnt sie“ (Hiob 33, 15-18). Mehrere Geschichten der Bibel bestätigen dies. Traumdeuter wie Josef und Daniel helfen, Träume richtig zu interpretieren. Genauso wie in diesen Geschichten hat auch der Sänger eine Vision.

Die Vision: Er läuft durch die Stadt, sieht viele Menschen, die reden, ohne etwas zu sagen, die hören, ohne zu verstehen. Und: es ist ihnen egal. Für mich eine schreckliche Welt. Die Menschen haben keine Beziehung zueinander, sie reden Belangloses, so dass sich zuhören gar nicht lohnt. Und so hören sie zwar, dass etwas gesagt wird, aber auch wenn etwas Wesentliches geschieht, bekommen sie es nicht mit. Sie sind es ja gewohnt, dass es nicht wichtig ist. Das ist eine Welt, in der sich nicht um den Nächsten gekümmert wird. Es ist eine Welt, in der nur der Augenblick zählt, nicht das Gestern oder das Morgen. Es ist eine Welt, in es am wichtigsten ist, sich selbst zu lieben, nicht den Nächsten. In so einer Welt möchte ich nicht leben.

Und doch stelle ich immer wieder fest, dass ganze Gruppen in genauso einer Welt leben. Die Partys ohne Abstand feiern, im Bewusstsein jung und unantastbar zu sein, als ob es die Pandemie nicht gibt. Die rücksichtslos auf den Straßen die Spuren wechseln, um schneller voranzukommen, ohne auf den laufenden Verkehr zu achten. Die in ihren Ämtern Tausende Euros an Gehalt bekommen, ohne wirklich eine Gegenleistung zu bringen, als ob es die Arbeiter in dem Geschäft nicht mehr verdient hätten. Menschen, die sich an anderen bereichern, Menschen, die auf ihren Vorteil bedacht sind, die immer das Gefühl haben, zu kurz zu kommen und denen daher alles recht ist.

Ja, es gibt viele von diesen Menschen. Und dennoch halte ich es wie ein gallisches Dorf: solange es noch Menschen aus diesem Dorf verteilt auf die ganze Welt gibt, solange ist für mich die Hoffnung nicht verloren, den Eigennützigen klarzumachen: es geht auch anders. Vielleicht bin ich ja naiv, aber anders würde ich in Hoffnungslosigkeit versinken.

Im Text heißt es: Schweigen trägt den Krebs in sich. Hört auf das, was ich euch geb', greift meinen Arm, der fest euch trägt.“ Doch das verhallt ungehört. Wenn das Schweigen den Krebs in sich trägt, dann breitet sich dieser aus. Unaufhaltsam? Das wäre schlimm. Es heißt: „Und die Leute rühmten kalt ihr goldenes Neon-Kalb.“ Das Licht in U-Bahnstationen, das Neonlicht, ist tatsächlich ein wenig golden. Die Anspielung auf das Kalb ist eine Anspielung auf das goldene Kalb, welches angebetet wurde, als Moses die 10 Gebote empfangen hat.

Wofür steht denn das Neonlicht für die meisten Menschen. Sie fahren täglich mit der Bahn zur Arbeit, verlässlich erhellt durch das Neonlicht. Wenn sie im Büro oder der Arbeitshalle ankommen, brennt das Neonlicht. Tageslicht ist selten. Empfinden sie durch das Neonlicht Verlässlichkeit oder Beständigkeit? Es gehört zu ihrem Alltag dazu, es begleitet sie.

Wäre es nicht viel schöner, einen lebendigen dauerhaften Begleiter zu haben? Ich habe einen solchen Begleiter, es ist Gott, der mich durch meinen Alltag begleitet. Der mich besondere Dinge sehen und erleben lässt. Wenn ich momentan in Hannover arbeite, besucht mich jeden Tag eine Taube. Wir unterhalten uns kurz (naja, ich begrüße sie, sie nickt freundlich), dann zieht sie wieder ihre Wege. Ein schönes Erlebnis, das ich momentan täglich habe. Wenn ich an meinem Schreibtisch sitze und das Wetter erlebe. Wenn ich am Fenster stehe und einen Windhauch genießen kann. Der Geruch von frischem Kaffee oder frisch gemähtem Gras. Ein Sonnenstrahl auf meiner Haut. Ein Regenbogen am Himmel. Ein… Genau, es kann alles Mögliche sein, was ich nur bemerke, wenn ich es zulasse.

Und für mich endet das Lied auch genauso: „Und vom Himmel blitzt' die Warnung, formt' Worte voller Bedeutung. Sie lauten: „Lies die Worte der Weisen, gesprayed an U-Bahn-Wällen und dunklen Stellen“. An Stellen, an denen man nämlich keine Weisheiten erwartet, da steht sie: Achtet aufeinander, nehmt euch wahr. Hört euch zu und redet Belangvolles. Dann haben wir eine Welt, in der nicht der Klang des Schweigens sondern des Friedens und der Freude zu hören ist. Das ist die Welt, in der ich leben möchte und dafür trage ich meinen Teil bei.

Und? Wer hat es erkannt? Richtig, es ist das Lied „Sounds of Silence“, ursprünglich von Simon and Garfunkel, welches von der Band Disturbed in 2016 gecovert wurde. Mir gefallen tatsächlich beide Versionen.

Im Internet findet man viele Interpretationen und Wahrheiten über dieses Lied. U.a. diese: „Paul Simon schrieb „The Sound of Silence“ über Monate hinweg. Es wird behauptet, dass es unter den Eindrücken der Ermordung Kennedys entstand, was Simon aber verneint hatte. Vielmehr kam ihm die Idee, als er im Bad das Licht ausschaltete. Er mochte den Klang, wenn Wasser aus dem Wasserhahn lief. Und so ging er öfter ins dunkle Bad und stellte das Wasser an. Art Garfunkel wiederum meinte, in dem Lied ging es um die Unfähigkeit von Menschen, miteinander zu reden und einander zu lieben. Und wenn man sich die drei Absätze so durchliest, dann erscheint dies recht gut zuzutreffen.“ (https://www.henning-uhle.eu/musik/the-sound-of-silence-die-duestere-stille-wartet-auf-uns)

Oder auch: "The Sound of Silence" bringt am stärksten das Hauptthema von Simon & Garfunkel zum Ausdruck, die Vereinsamung der Menschen in der modernen oberflächlichen Gesellschaft. Es erzählt von der Vision eines Menschen, der diese Gesellschaft durchblickt und ihre Mängel erkennt, jedoch daran scheitert, ihr seine Erkenntnis mitzuteilen. (http://www.traitor.mynetcologne.de/analyrics/sosI.htm)

Insgesamt ein Lied, welches uns aufwecken sollte, ein Leben zu führen, dass den Krebs des Schweigens durchbricht. Ich wünsche uns allen viele gute Gespräche und tolle Erlebnisse, damit wir nicht Gefahr laufen, unter vielen Menschen zu vereinsamen. Und ich wünsche uns allen den Mut und die Aufmerksamkeit, einen Teil zum Sound des Lebens beizutragen.

geschrieben von Kirsten Gutleben

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