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LinkWir freuen uns, dass Sie die Homepage der Kirchengemeinde Idensen-Mesmerode besuchen. Offiziell heißt die Gemeinde "11.000 Jungfrauen", was daraus resultiert, dass Bischof Sigward die Kirche der Heiligen Ursula und den 11.000 Jungfrauen geweiht hat. Mit weniger als 750 Gemeindegliedern sind wir eher eine kleine Gemeinde. Aber dafür herzlich und weltoffen.

Neuigkeiten unserer Gemeinde

Wer erkennt es – November 2021WererkenntNov21

November, dunkle Jahreszeit, ein Monat nur für den Trübsal? Ich finde nicht. Schließlich steht doch der Monat großer Freude bevor: der Advent, die Weihnachtszeit, Sylvester. Zeit, um Freunde, Verwandte, lang nicht mehr Gesehene wieder zu treffen und sich auszutauschen. Da ist es doch gut, dass es vorher einen Monat der Ruhe, der Besinnung gibt. Einen Monat, der uns wieder auf den Boden bringt. Und passend dazu habe ich dieses Lied gefunden. Gehört habe ich es erstmals bei einem Konzert vor der Sigwardskirche. Und es gefällt mir außerordentlich gut. Aber hier erst einmal der Text:

Wer wird ein Lied über Veränderungen singen,
wenn sich keiner ein Leben außerhalb des Trampelpfades vorstellen kann?
Und wer wird den fahrenden Zug anhalten,
wenn sich keiner sorgt zu bleiben und keiner zurückschauen möchte?

Irgendwo entlang der Linie gabst du auf zu fragen
wenn es ein bisschen zu komplex wurde.
Wenn du jedoch nicht hinterfragst was gewesen ist,
bedeutet das, dass es dir egal ist was als nächstes kommt?

Du hast keinen zum Folgen
und keiner wird dir folgen.
Ist es nicht eine Erleichterung,
dass alles und jeder im Kampf wachsen muss
um Widerstand und Widerspruch;
Es ist nicht an der Zeit, um schlafen zu gehen.
Es ist nicht an der Zeit, um schlafen zu gehen.

Also, wer wird ein Lied über Glauben singen,
wenn niemand für irgendetwas betet, dass weder gekauft oder verkauft werden kann?
Und wer wird die Geschichte ehrlich erzählen;
glaubt irgendwer daran, es gäbe immer noch eine Geschichte zu erzählen?

Irgendwo entlang der Linie hast du einfach aufgehört zu laufen,
wenn die Unterströmung zu stark wurde.
Eines Tages wird ein einsamer Wandermusikant klopfen;
mit einem sanften und lang vergessenen Lied.

Dass du keinen zum Folgen hast
und keiner dir folgen wird.
Ist es nicht eine Erleichterung,
dass alles und jeder im Kampf wachsen muss
um Widerstand und Widerspruch;
Es ist nicht an der Zeit, um schlafen zu gehen.

Oh, es ist nicht an der Zeit, um schlafen zu gehen.

Deutschland galt als das Land der Dichter und Denker. Sind wir das immer noch? Der Ursprung der Phrase „Land der Dichter und Denker“ wird auf den Schriftsteller Johann Karl August Musäus zurückgeführt, der schrieb: „Was wäre das enthusiastische Volk unserer Denker, Dichter, Schweber, Seher ohne die glücklichen Einflüsse der Fantasie?“ Im Land der Gleichgültigen wird es wohl keine Überlegungen geben, was wäre wenn. Gäbe es überhaupt Erfindungen, Dichtungen, Erzählungen?

Fantasie braucht man, will man sich, wie in der ersten Strophe angedeutet, „ein Leben außerhalb des Trampelpfades vorstellen“. Und diejenigen, die anfangen rechts und links zu schauen, hören damit auf, wenn es zu schwierig, zu komplex wird? Dabei kann Leben – ich meine Leben und kein eintöniges Dahinschreiten zwischen Arbeiten und Schlafen – doch erst entstehen, wenn man neugierig ist, gestalten möchte und sich ausprobiert. Ich gebe zu, dabei eckt man auch schon mal an. Das kostet auch meistens Kraft. Aber dabei spürt man, was man schaffen kann, wo die eigenen Grenzen sind und kommt doch so oft auch darüber hinaus.

Im Text heißt es, dass man nur Wachsen kann im Widerstand und Widerspruch. In den 80ern hieß es immer: was nicht tötet, härtet ab. Ich weiß nicht, ob das so noch immer gesagt wird, aber es ist sehr viel Wahres dran. Wenn man sich überwindet und Dinge tut, die man sich von sich nicht vorstellen kann, dann wächst man daran, und kann das nächste Mal noch mehr geben. Dann kennt man die Schritte bis zu diesem Zwischenziel schon und kann um die nächste Ecke schauen. Wer weiß, was da so kommt? Spannend.

Im Text heißt es weiter „Also, wer wird ein Lied über Glauben singen, wenn niemand für irgendetwas betet, dass weder gekauft oder verkauft werden kann?“. Beten also, um nicht materielle Dinge, wie z.B. um Freundschaft, Liebe, Moral, Glaube und vieles mehr. Kann man es sich vorstellen, im Radio keine Liebeslieder mehr zu hören? Nicht wirklich. Sich verlieben heißt auch, sich fallenzulassen, neugierig aufeinander zu sein und die ausgetretenen Wege zu zweit zu gehen, die Wege des anderen zu betreten und neue Wege gemeinsam zu beschreiten. Es heißt, eine neue Sichtweise auf die eigenen Gewohnheiten und Lebensweisen zuzulassen. Das Lied will uns also auch bestärken, Liebe zu erfahren und sich auf andere Menschen einzulassen. Darum zu beten, dass man sich darauf einlässt. Denn im Gespräch mit Gott bestärken wir uns darin, Mut zu fassen, neue Wege zu beschreiten, so wie in der Liebe, wie moralisch zu handeln, wie Freundschaften zu schließen ggf. auch mit ungewöhnlichen Menschen.

Am Ende des Liedes wird mehrfach die Zeile „Oh, es ist nicht an der Zeit, um schlafen zu gehen.“ gesungen. Da werde ich an den Garten Gethsemane erinnert, in dem Jesus seine Jünger bittet, mit ihnen zu wachen. Und es gelingt ihnen nicht. Sicherlich wollten die Jünger mit ihrem Meister wachbleiben, und doch schlafen sie immer wieder ein. Es ist also nicht so leicht, wachzubleiben, bereit zu sein. Und so geht es uns doch auch, in der Monotonie des Lebens neugierig, aktiv und wach zu bleiben. Dabei gibt es viel zu entdecken und zu erleben.

Das Lied, welches wir suchen, ist tatsächlich schon älter. Es ist 2008 erschienen und heißt „no time to sleep“. Der Interpret ist Tina Dico, sie ist eine dänische Popsängerin und Songschreiberin. Chartplatzierungen hat sie mit diesem Lied nicht erreicht. Dennoch ist dies ein Lied, das einem unter die Haut geht.

Auf der Suche im Internet nach dem Stichwort „Neugier“ habe ich folgendes Zitat von Johann Wolfgang von Goethe gefunden: „Die Neugier hält mich lebendig - das Interesse an dem, was die Begrenzung meiner Erfahrungen sprengt. Sie lässt mich wachsen, indem sie mich an meine Grenze bringt und darüber hinaussehen und gehen lässt. Denken, was undenkbar ist, erfahren, was unfassbar erscheint – bis aus der Fülle der Möglichkeiten sich ein neues Bild der Wirklichkeit ergibt...
Was immer du tun und erträumen kannst, du kannst damit beginnen. In der Kühnheit wohnen Schöpferkraft, Stärke und Zauber.“ Wenn ich dies so lese, dann glaube ich, hat Tina Dico das ebenfalls gelesen. Denn das ist genau das, was dieses Lied für mich ausdrückt.

Das Bild vom letzten Mal wurde aufgenommen bei der Aktion „Picknick, Pop und Poesie“, bei dem die Gemeindeband genau dieses Lied vor der Sigwardskirche gesungen hat.

Ich wünsche uns allen, dass es uns gelingt, wach und neugierig zu bleiben. Damit wir erleben können, was hinter der nächsten Ecke ist. Wer weiß, was das Leben uns noch bereithält, also: Keine Zeit zu Schlafen!

geschrieben von Kirsten Gutleben

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