Herzlich Willkommen

Wir freuen uns, dass Sie die Homepage der Kirchengemeinde Idensen-Mesmerode besuchen. Mit weniger als 750 Gemeindegliedern sind wir eher eine kleine Gemeinde. Aber dafür herzlich und weltoffen.

Neuigkeiten unserer Gemeinde

Wer erkennt es - März 2022WererkenntMar22

Zum Ende des Winters habe ich noch einmal ein schwieriges Lied ausgesucht. Schwierig, weil ich denke, viele werden es nicht kennen. Dennoch habe ich es hier aufgenommen, denn ich finde es großartig. Schwierig auch vom Text her. Aber seht selbst:

Schritt eins, du sagst: "Wir müssen reden."
Er geht, du sagst: "Setz dich hin, es ist nur ein Gespräch."
Er lächelt freundlich zurück
Du starrst freundlich durch ihn hindurch

Eine Art Fenster zu deiner Rechten
Sie geht links und du fühlst dich im Recht
Zwischen den Zeilen von Angst und Schuld
Fängst du an, dich zu fragen, warum du überhaupt gekommen bist

Refrain:
Was hab ich falsch gemacht? Ich habe einen Freund verloren
Irgendwo in der Bitterkeit
Und ich wäre die ganze Nacht bei dir geblieben
Hätte ich gewusst, wie man ein Leben rettet


Lass ihn wissen, dass du es am besten weißt
Denn schließlich weißt du es am besten
Versuch an seiner Verteidigung vorbei zu schlüpfen
Ohne ihm seine Unschuld zu gewähren

Mach eine Liste mit Dingen, die falsch laufen
Die Dinge, die du schon immer beklagt hast
Bete zu Gott, dass er dich versteht
Und ich bete zu Gott, dass er dich versteht

Refrain

Sobald er anfängt, seine Stimme zu heben
Senkst du deine und gewährst ihm eine letzte Chance
Fahr, bis du den Weg zurück nicht mehr findest
Oder brich mit denen, denen du hinterher gelaufen bist.

Er wird eins von zwei Dingen tun
Er wird alles zugeben
Oder er wird sagen, er hat sich geändert
Und du wirst anfangen dich zu fragen, warum du überhaupt gekommen bist

Refrain

Es wird immer Konflikte zwischen Menschen geben. Viele Dinge kann man erst verstehen, wenn man den Blickpunkt des anderen angenommen hat. In der Regel schauen wir aber durch unsere eigenen Augen, verstehen etwas falsch, kennen die Hintergründe nicht und manchmal wollen wir auch nicht verstehen. Denn Menschen verändern sich, ändern ihren Standpunkt, ändern ihre Sichtweise, ändern ihre Prioritäten. Und plötzlich ist das Gegenüber nicht mehr der, der er vor einiger Zeit noch war. Und dann muss man reden.

In dem Text wird aber klar: so richtig hören sich die beiden nicht zu. Es heißt: „Er lächelt freundlich zurück
Du starrst freundlich durch ihn hindurch“.
Läuft das Gespräch so, dann kann man es sich eigentlich sparen. Denn das was man sagt, das kommt bei dem Gegenüber gar nicht an. Beide hören sozusagen, ohne zu hören. In Matthäus 11,15 steht: „Wer Ohren hat zu hören, der höre.“ Nur weil physikalisch die Töne bei einem in der Ohrenmuschel ankommen, werden die Worte nicht unbedingt wirklich zur Kenntnis genommen. Wer sich nicht aufeinander einlässt, der wird sich nicht gegenseitig verstehen.

Mach eine Liste mit Dingen, die falsch laufen“, so heißt es weiter im Text. Vielleicht ist das eine gute Methode, miteinander ins Gespräch zu kommen, wenn man vorab die Beziehung analysiert, ohne die Emotionen, die im Gespräch entstehen. Manchmal sind es viele Kleinigkeiten, die einen stören, manchmal ist es etwas Erhebliches, wodurch es kriselt. Wenn man eine Liste erstellt, analysiert man für sich die Beziehung, es wird einem selber klar, wo die Probleme liegen. Es soll keine Liste der Vorwürfe gegeneinander sein. Vorwürfe helfen, denke ich, nicht weiter. „Bete zu Gott, dass er dich versteht“, aber bete auch zu Gott, dass du ihn verstehst. Es ist die einzige Chance, die Beziehung zu retten.

Und dann fangt an, wirklich miteinander zu reden. „Sobald er anfängt, seine Stimme zu heben, senkst du deine und gewährst ihm eine letzte Chance“. Aktiv zuhören, aktiv sprechen, offen sein für die Argumente vom Gegenüber, eigene Argumente offen und ehrlich aussprechen, darum geht es in dem Gespräch. Es ist das Ziel, sich wirklich miteinander auseinander zu setzen.

Am Ende erfolgt dann die Konsequenz: „Fahr, bis du den Weg zurück nicht mehr findest oder brich mit denen, denen du hinterhergelaufen bist.“  Nach dem klärenden Gespräch kann man sich für oder gegen die Beziehung entscheiden. Und manchmal heißt es dann auch, dass man getrennte Wege gehen muss. Wenn aber beide Seiten wirklich miteinander kommuniziert haben, erfolgt dies nicht in Bitterkeit, sondern im gegenseitigen Verständnis. Das Leben verändert die Menschen und damit auch die Beziehungen – und ich meine nicht nur Partnerbeziehungen – zueinander.

Wenn dieses offene Gespräch geführt wurde, können sich die Parteien wieder in die Augen schauen. Dabei ist es egal, ob sich für oder gegen die Beziehung entschieden wurde. Es sollte ein Verständnis für die eine und die andere Seite entstanden sein, die jedem hilft, miteinander umzugehen. Und das auch, wenn aus verschiedenen Gründen es notwendig ist, dass man weiter miteinander zu tun hat. 

Die letzte Strophe frustriert mich ein wenig, aber sie ist leider zu oft wahr: „Er wird eins von zwei Dingen tun, er wird alles zugeben oder er wird sagen, er hat sich geändert. Und du wirst anfangen dich zu fragen, warum du überhaupt gekommen bist“ In diesem Fall hat das Gespräch nämlich nicht ehrlich und offen stattgefunden, es wurde keine offene Konsequenz daraus gezogen. „Um des lieben Friedens willen“ sind halbgare Kompromisse getroffen worden. Schade, eine Chance vertan.

Ein solches Gespräch ist nie leicht. Will man wirklich etwas erreichen, kann man sich nicht verstecken und muss offen seine Beweggründe darlegen. Und diese Gründe sind ja manchmal nicht immer für jeden verständlich. Ist einem die Beziehung aber wichtig, so ist diese Offenheit notwendig.

Und? Wer hat es erkannt? Es ist das Lied „How to Save a Life“ von The Fray. Wikipedia schreibt dazu: „How to Save a Life ist der kommerziell erfolgreichste Song von The Fray. Er wurde am amerikanischen Nationalfeiertag, dem 4. Juli, veröffentlicht, erreichte unter anderem Platz 3 in den amerikanischen Billboard Hot 100 und erzielte Spitzen-Chart-Positionen in Europa und Kanada. Die Single erschien exklusiv als Download und erhielt zweifach Platin. The Fray erhielten auch für diesen Song eine Grammy-Nominierung, gingen aber leer aus. Aufgrund einer verfrühten Veröffentlichung des Songs im Vereinigten Königreich durch den Radiosender BBC Radio 1 erschien die Single fünf Wochen vor der planmäßigen Nummer eins, Over my Head (Cable Car). (…) Der Song wurde in mehreren Fernsehserien, zum Beispiel Scrubs – Die Anfänger (5. Staffel), Cold Case – Kein Opfer ist je vergessen oder Grey’s Anatomy (2. Staffel) verwendet.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/How_to_Save_a_Life)

Obwohl ich natürlich den Liedtitel kenne, interpretiere ich das Lied nicht nur in Bezug auf einen wirklichen Tod, sondern ich sehe es als Tod einer Beziehung zwischen zwei Menschen, wie gesagt, nicht unbedingt nur in Partnerbeziehungen. Im Internet habe ich einen Auszug aus einem Interview gefunden, das in die gleiche Richtung geht: „In einem Interview mit USA Today erklärte Leadsänger Isaac Slade, dass er dieses Lied über eine Erfahrung schrieb, die er bei der Arbeit in einem Camp für problematische Jugendliche hatte: „Eines der Kinder, mit denen ich zusammenarbeitete, war ein Musiker. Hier war ich, ein Beschützter Vorstädter, und er war erst 17 und hatte all diese Probleme. Und niemand konnte eine Anleitung schreiben, wie man ihn rettet. Ich bekam viele E-Mails darüber. Ein Kind starb bei einem Autounfall, und ich schätze, es war der letzten Song, den er von seinem Computer heruntergeladen hat. Sie spielten ihn bei seiner Beerdigung und einige seiner Freunde ließen sich ‚Save A Life‘ auf den Arm tätowieren. Die Resonanz war überwältigend.“  (https://www-songfacts-com>)

Es lohnt sich auch, das Video auf Youtube einmal anzuschauen (siehe unten). Neben der Band, die das Lied performt, werden bei Einblendungen von Menschen, die mich ehrlich ergriffen haben, Wörter eingeblendet. Es sind Wörter, die durchnummeriert sind und eine Relevanz für das Gespräch haben. Neben „Vergeben“, „“Zuhören“, „Vertrauen“ ist die Nummer 1 übrigens „Liebe“. Es sind auch Bilder von Raupen und Schmetterlingen zu sehen, ein Sinnbild für die Veränderungen durch das Leben.

Ich wünsche uns allen, dass es nur selten zu solchen Gesprächen kommen muss. Wenn es aber dazu kommt, wünsche ich uns allen, ein offenes Ohr und ein ehrliches Wort.

geschrieben von Kirsten Gutleben

 

Diese Webseite verwenden Cookies, um Ihnen ein angenehmeres Surfen zu ermöglichen. Bitte geben Sie uns dazu Ihre Zustimmung.