Kirchengemeinde
Idensen-Mesmerode

 

 

 

 

 

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Wer erkennt es – August

WererkenntAug26August, Sommerzeit, Ferienzeit. Die meisten Menschen verreisen jetzt im Sommer und holen sich Eindrücke und Inspirationen aus fernen oder nahen Ländern. Man hat Zeit, die Tage sind lang und die werden für Urlaube und Ausflüge genutzt. Gut so! Über die Übernahme von fremden Eindrücken handelt das Lied, über das ich diesen Monat schreiben möchte. Hier der Text.

Meine Mutter kam nach Hazard, als ich gerade mal sieben war
Schon damals sagten die Leute in der Stadt mit Vorurteilen in ihren Augen:
"Mit dem Jungen stimmt was nicht!"
Vor drei Jahren, als ich Mary kennen lernte,
war es das erste Mal, dass jemand über die Gerüchte und die Lügen hinweg sah
und den Menschen in meinem Inneren entdeckte.

Wir gingen immer unten am Fluss entlang
Sie liebte es zuzusehen, wie die Sonne unterging
Wir gingen immer unten am Fluss spazieren
und träumten von einem Weg aus dieser Stadt


Keiner verstand, was ich für Mary fühlte
Keiner interessierte sich dafür - bis zu der Nacht, in der sie alleine wegging
und nie wieder nach Hause kam.
Ein Mann mit einem Abzeichen klopfte am nächsten Morgen an der Tür
Im Nu war ich umzingelt von Tausend Fingern,
die plötzlich alle auf mich zeigten.

Ich schwöre, ich habe sie am Fluss alleingelassen
Ich schwöre, als ich wegging, war sie gesund und munter
Ich muss es zum Fluss schaffen
und dieses alte Kaff in Nebraska verlassen.

Haben wir das nicht alle schon einmal erlebt: Aus dem Nichts kommt eine Information auf. Und sie wird weiter getragen und weiter getragen, sie macht sich selbständig. Keiner weiß mehr, wer diese Information ursprünglich gesagt hat. Und weil so viele es sagen, muss es ja wahr sein, oder?

Wer einmal aufgrund einer solchen Fehlinformation ich sage mal „gebrandtmarkt“ wurde, der weiß, wie schwer es ist, diese Information über sich selbst wieder zu bereinigen.

Und in diesem Lied ist es ja viel schlimmer: es wird dem Protagonisten ein Mord angehängt, obwohl er die vermisste Person doch geliebt hat. Plötzlich steht ein Polizist vor der Tür und er wird von allen anderen herum verurteilt. Wie grausam.

Ich stelle mir die Frage, ob das nur in Kleinstädten und Dörfern passieren kann. In dem Lied ist es zumindest ein Kaff. Es ist - glaube ich - zumindest einfacher, wenn die Menschen sich gegenseitig wahrnehmen und am Leben teilhaben. Und tratschen. Diese Dinge sind in einer kleinen Gemeinschaft häufiger. Andererseits kennt man ja auch die Eigenarten des einen und des anderen. Was eine Fehleinschätzung zumindest unwahrscheinlicher macht, als es in der Stadt, in der man sich kaum kennt, der Fall sein dürfte. So oder so wird es möglich sein, einer solchen Fehlinformation aufzusitzen.

Und ob man in der Stadt oder auf dem Land lebt: man hat seinen Bekannten- und Freundeskreis. Und wenn über diesen eine Unwahrheit verbreitet wird, die einem anhaftet, wirft einen dies aus der Bahn.

Aber wie entstehen denn solche Selbstläufer? Ich habe heute Marc-Uwe Kling gehört. In seiner Geschichte hat er Chat-GPT darum gebeten, über sich eine Anekdote zu schreiben. Heraus kam eine Geschichte, die absolut unwahr war, aber wirklich wahrscheinlich klang.

Ich wollte das nicht glauben und habe das mit mir selber einmal versucht. Heraus kam dieses:

„Kirsten ist für ihre gute Organisation bekannt. Termine? Im Kalender. Material? Sorgfältig gepackt. Schlüssel? Natürlich am richtigen Schlüsselbund.

Natürlich.

Eines Abends kam sie als Erste zum Gemeindehaus. Stolz schloss sie die Tür auf, schaltete das Licht ein und wunderte sich nur kurz, warum alles irgendwie... anders aussah. Die Garderobe war verschwunden, die Stühle standen nicht an ihrem Platz, und von der Küche fehlte jede Spur.

„Na, da haben sie aber gründlich umgeräumt!“, murmelte sie.

Erst als ein völlig überraschter Hausmeister um die Ecke bog und fragte: „Kann ich Ihnen helfen?“, stellte sich heraus, dass Kirsten mit einem ähnlich aussehenden Schlüssel die Tür zum Nachbargebäude geöffnet hatte.

Mit hochrotem Kopf entschuldigte sie sich und verließ das Gebäude so schnell, wie sie gekommen war. Beim eigentlichen Spieleabend erzählte sie die Geschichte gleich selbst – denn wer zuerst über sich lacht, nimmt allen anderen den Wind aus den Segeln.

Seitdem wird sie gelegentlich gefragt: „Kirsten, weißt du wenigstens heute, in welchem Gebäude wir uns treffen?“ Und sie antwortet trocken: „Ich habe zur Sicherheit zwei Schlüssel mitgebracht.““ So Chat-GPT über mich.

Eine Geschichte, absolut unwahr, nie passiert. Jetzt klingt diese Geschichte harmlos, aber es sind ein paar Fakten dabei, die die Geschichte wahr klingen lassen. Und die Unwahrheiten sind so gestaltet, dass sie nicht völlig unwahrscheinlich klingen.

Chat-GPT und ähnliche KIs sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ob die Informationen wahr sind, ist oftmals schwierig herauszufinden. Und für viele Menschen auch zu mühsam. Andererseit funktioniert die KI in unserem Kopf ja auch bestens, auch sie kann sich Unwahrheiten einfallen lassen und sie glaubhaft klingen lassen. Manchmal einfach nur, um interessant zu sein, für einen kurzen Augenblick. Und ohne zu bedenken, was das für den genannten Menschen bedeuten kann.

Vielleicht sollte man sich doch häufiger fragen: Ist das echt? Kann das sein?

Bin ich zu naiv, wenn ich das nicht tue? Vermutlich. Oder zu bequem? Sicher auch.

Spannend finde ich aus dem Lied auch, dass die Stadt, in die der Junge zieht, Hazard heißt. Hazard ist das englische Wort für Gefahr. Und diese Stadt verurteilt diesen Jungen schon, als er lediglich sieben Jahre alt war. „Mit dem stimmt was nicht“. Woran sie das festgemacht haben, wer weiß. Er wird anders gewesen sein, auffallend. Und damit auch gefährlich? Passend zur Stadt, vermutlich.

Drei Jahre war er mit Mary befreundet, bis sie verschwand. Was geschah, wird nicht erzählt, aber sie verschwand, als sie alleine am Fluss war. Was nichts Gutes heißt in einer Stadt namens „Gefahr“.

Und? Wer hat es erkannt? Es ist das Lied „Hazard“ von Richard Marx, das im Januar 1992 erschien. „Marx betrachtete es als "dummen Song, auf den niemand achten würde" und nahm es nur auf, um seiner Frau zu beweisen, dass er falsch lag; sie hatte ihm gesagt, dass es ein riesiger Hit werden würde. Im April 1992 erreichte "Hazard" den Höhepunkt auf Platz 9 der US-amerikanischen Billboard Hot 100 und führte kurz darauf die Billboard Adult Contemporary-Charts an und wurde Marx' dritte  Nummer 1-Single in diesem Chart.  International erreichte "Hazard" Platz 1 in Australien; die ersten drei in Kanada, Irland und Großbritannien; und die Top 10 in Neuseeland, Norwegen und Schweden.“ https://en.wikipedia.org/wiki/Hazard_(song)

Man kann also sagen, dass dieser dumme Song nicht ganz so unerfolgreich geworden ist.

Wer die Wahrheit über den Song wissen will, der kann sich hier dieses Video anschauen: https://www.reddit.com/r/Xennials/comments/1tl41y0/richard_marx_finally_reveals_the_truth_behind/?tl=de

Auch hier wieder merkt man an den Kommentaren, wie sehr sich die Menschen damit beschäftigen, wem man glauben kann, was passiert ist und ob die Geschichte wahr ist. Hey, es ist ein Lied…

Ich wünsche uns allen, dass wir nie Opfer einer „Erzählung“ werden (und wenn, dass sie uns nicht belastet). Aber vor allem wünsche ich uns, dass wir uns selber ein Bild machen und nicht blind glauben, was erzählt wird. Lasst uns doch auf unseren gesunden Menschenverstand vertrauen!

geschrieben von Kirsten Gutleben

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