Herzlich Willkommen

Wir freuen uns, dass Sie die Homepage der Kirchengemeinde Idensen-Mesmerode besuchen. Mit weniger als 750 Gemeindegliedern sind wir eher eine kleine Gemeinde. Aber dafür herzlich und weltoffen.

Neuigkeiten unserer Gemeinde

Wer erkennt es – Juli 2022

Schon ist das halbe Jahr vorbei, der Sommer hat uns im Griff. Wir genießen die Sommerstrahlen, die Treffen mit Freunden und gemeinsame Aktionen. Als ich überlegt hatte, welches Lied ich diesen Monat nehme, fielen mir lauter Gute-Laune-Songs ein. Ich konnte mich nicht entscheiden. Und so sollte dann der Zufall helfen: der erste Song der Zufallswiedergabe meiner Playlist wird es sein. Es ist kein Gute-Laune-Lied geworden. Dennoch sehr passend: ich hatte bislang nie wirklich auf den Text geachtet. Vielleicht Sie ja auch nicht? Hier ist er:

Steve geht vorsichtig die Straße runter
Die Hutkrempe weit heruntergezogen
Man hört kein Geräusch außer seinen Schritten
Maschinengewehre, die bereit sind zu schießen

Bist du bereit, bist du bereit hierfür?
Kannst du es vor Aufregung schon nicht mehr ertragen?
Vor der Tür schlagen die Kugeln im Rhythmus ein

Refrain:

Wieder beißt einer ins Gras
Wieder beißt einer ins Gras
Und noch einer weg, und noch einer weg
Wieder beißt einer ins Gras
Hey, dich kriege ich auch noch
Wieder beißt einer ins Gras


Was glaubst du wie ich zurechtkommen soll
Ohne dich, wenn du weg bist?
Du hast mich wegen all dem genommen, das ich hatte
Und mich dann rausgeworfen, auf mich allein gestellt
Bist du glücklich, bist du zufrieden?
Wie lange kannst du den Druck ertragen?
Vor der Tür schlagen die Kugeln im Rhythmus ein - paß auf!

(Refrain)

Man kann einen Mann auf vielerlei Art verletzen
Und ihn zu Boden bringen
Du kannst ihn schlagen
Du kannst ihn betrügen
Du kannst ihn schlecht behandeln
Und ihn dann verlassen, wenn er total fertig ist
Aber ich bin bereit, ja, ich bin bereit für dich
Ich stehe auf meinen eigenen Füßen
Vor der Tür schlagen die Kugeln im Rhythmus ein

(Refrain)

Es gibt mindestens 480 Synonyme für das Wort „sterben“ in der deutschen Sprache. Hier ein paar Beispiele aus www.woxikon.de: sterben, enden, aussterben, erlöschen, abberufen, einschlafen, abscheiden, krepieren, verrecken, abberufen, entschlafen, etc. Und natürlich wie in diesem Lied genutzt: ins Gras beißen.

Menschen finden mehr Begriffe für Worte, mit denen sie sich beschäftigen. Es gibt den Hoax, dass Eskimos über 400 Worte für Schnee haben. Tatsächlich sind es eher 20. Aber dieses Gerücht hält sich hartnäckig. Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch stellte fest, dass es viele Wörter im „Deutschen für Schnee gibt. Hier seine Beispiele: Altschnee, Blutschnee, Brettschnee, Faulschnee, Filzschnee, Firn, Flugschnee, Harsch, Windharsch, Schmelzharsch, Bruchharsch, Industrieschnee, Kunstschnee, Lawinenschnee, Lockerschnee, Nassschnee, Neuschnee, Pappschnee, Pulverschnee, Schwimmschnee, Sulz, Triebschnee und Wildschnee. Eingefleischte Skifahrer (...) kennen sie fast alle – und zwar nicht, weil sie in einer anderen Umwelt leben, sondern, weil sie mehr Anlässe und eine größere Notwendigkeit haben, differenziert über Schnee zu sprechen.“ (https://www.mdr.de/wissen/hoax-inuit-woerter-fuer-schnee100.html)

Menschen beschäftigen sich also mit dem Tod. Allerdings selten in der Öffentlichkeit. Es scheint eher ein Tabuthema zu sein.

Dazu kommt aber noch, dass der Begriff „sterben“ auch noch mehrere Bedeutungen hat. Es kann sich um das Sterben des Körpers handeln und um das Sterben einer Freundschaft oder eines Gefühls. In dem Lied geht es meiner Meinung nach um die zweite Bedeutung.

Ja, es wird von kriegsähnlichen Zuständen gesprochen, von Maschinengewehren, von Menschen, die bereit sind zu schießen, „einen zu kriegen“. In der zweiten Strophe heißt es: „Was glaubst du wie ich zurechtkommen soll ohne dich, wenn du weg bist? Du hast mich wegen all dem genommen, das ich hatte und mich dann rausgeworfen, auf mich allein gestellt“. Da geht es doch um eine Beziehung, eine Freundschaft, welche ausgenutzt wurde. Ob die Ausnutzung, die hier beschrieben wird, schon von Anfang an stattgefunden hat, wird nicht gesagt. Wurde die Freundschaft begonnen, weil der Gegenpart etwas Besonderes konnte oder hatte? Und dennoch die Verzweiflung: wie soll ich ohne dich zurechtkommen?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Er liebt es, wenn sich nicht viel verändert. Er fühlt sich wohl in seiner Rolle, in seiner Umgebung, in seinen Aufgaben. Fällt jemand weg, ist die Sorge da: wie kann ich das ohne den anderen schaffen. Und dieses Gefühl ist da, auch wenn die Beziehung wie in dem Lied eine eher einseitig war.

Interessant ist auch der letzte Satz in der Strophe: „Vor der Tür schlagen die Kugeln im Rhythmus ein - paß auf!“ Zum einen die Kugeln: keine echten Kugeln, sondern Ereignisse oder auch Angriffe von Personen außerhalb der Gemeinschaft, die weitergehen. Im echten Leben Spitzen von anderen Menschen, die einen schon verletzen können. Den zweiten Teil – pass auf! – finde ich noch spannender. Da wird jemand ausgenutzt und anschließend verlassen. Und dennoch warnt dieser den anderen: Achtung, da fliegen Kugeln, die könnten dich auch treffen! So reagiert nur jemand, der den anderen wirklich achtet und nicht möchte, dass dieser verletzt wird. So reagiert nur jemand, der schon vergeben hat.

Die letzte Strophe wieder beschreibt, wie die Trennung vonstatten ging. Ich gehe davon aus, dass der Schreiber alle diese Grausamkeiten empfunden hat: geschlagen und betrogen werden, schlecht behandelt und dann verlassen. Und dann wieder ein Satz, der etwas aussagt, was weiter geht: „ich bin bereit für dich, ich stehe auf meinen eigenen Füßen“ Der Verlassene hat sich verändert, er hat Verantwortung übernommen und Dinge selber geregelt. Und er ist jetzt bereit, noch einmal von vorne anzufangen, mit anderen Vorzeichen. Denn die Kugeln schlagen weiterhin ein.

Ein wenig erinnert mich das an die Entwicklung vom Teenager zum Erwachsenen. Streit, Krach, Diskussionen – was erleben Eltern nicht alles mit ihren Kindern, auch verletzt sein auf beiden Seiten gehört dazu. Bis diese im Guten oder Schlechten ausziehen, erwachsen werden. Die sichere Welt der Familie wird verlassen, die Jugendlichen wachsen. Und plötzlich kann man anders miteinander umgehen, die Beziehung ist eine andere geworden. Denn die Kinder haben sich dem Leben gestellt, ihre eigenen Erfahrungen gemacht und sich verändert. Sie können mit den Eltern auf eine neue Art umgehen, auf Augenhöhe.

Ich habe überlegt, ob die Beziehung mit Gott zu uns eine ähnliche ist. Wir sind Gottes Kinder, er hat uns die Welt gegeben und steht mit uns in Beziehung. Aber haben wir die Chance ihm gegenüber ein Teenager zu sein? Was passiert denn, wenn wir toben, ihn beschimpfen, wild um uns schlagen? Wir haben die Möglichkeit, uns von ihm abzuwenden (somit auszuziehen) und unsere eigenen Erfahrungen zu machen. Aber will Gott das wirklich? Und anschließend mit ihm auf Augenhöhe über Dinge des Lebens diskutieren? Gott nimmt uns an, wie wir sind. Er freut sich, wenn „verlorene Schafe“ zu ihm zurückkehren. Ich denke aber nicht, dass die Loslösung von ihm notwendig ist, so wie es für Teenager notwendig ist, sich von ihren Eltern zu lösen. Insofern hinkt der Vergleich als Gottes Kinder. Vielleicht weil wir immer seine Kinder bleiben?

Und? Wer hat es erkannt? Es ist „Another One Bites the Dust“, ein Lied von Queen aus dem Jahr 1980, das von John Deacon geschrieben wurde und auf dem Album The Game erschien. Mit einem Verkauf von über 7 Millionen Einheiten ist Another One Bites the Dust die meistverkaufte Single der Band. Das Lied erreichte auf der Liste Billboard’s All Time Top 100 Platz 34.

John Deacon sagte über dieses Lied: „Ich wollte schon eine ganze Weile ein Lied wie Another One Bites the Dust aufnehmen, aber am Anfang hatte ich nur eine Zeile und ein Bass-Riff. Irgendwann brachte ich diese Idee ein und die Band machte Vorschläge. Ich stellte mir das Ganze als ein Lied zum Tanzen vor, aber ich konnte nicht wissen, dass es so populär wurde. Das Lied wurde von schwarzen US-Radiostationen aus dem Album herausgepickt und gespielt. Das ist uns vorher noch nie passiert. Michael Jackson war es dann, der uns vorschlug, das Lied als Single zu veröffentlichen. Er war ein Fan von uns und kam oft zu unseren Shows.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Another_One_Bites_the_Dust)

Ich wünsche uns allen, dass wir gut mit Veränderungen umgehen können, die auf uns zukommen. Ich hoffe, dass wir an diesen wachsen und die Herausforderungen annehmen können. Und ich wünsche uns, dass wir immer erkennen, dass wir Gottes Kinder sind, angenommen und akzeptiert.

geschrieben von Kirsten Gutleben

Diese Webseite verwenden Cookies, um Ihnen ein angenehmeres Surfen zu ermöglichen. Bitte geben Sie uns dazu Ihre Zustimmung.