Wer erkennt es – Mai 2026
Es ist jetzt schon so lange Krieg. Wenn man jetzt so im Mai in der Sonne sitzt, macht man es sich meistens nicht bewusst. Nicht weit von hier ist Krieg. Bomben, Drohnen, Schmerz, Blut und Schreie, alles nicht weit weg. Während man entspannt den Kaffee in der Sonne genießt. Es ist Zeit, mal wieder einen Antikriegssong herauszuholen aus der Versenkung. Hier einer, der so aktuell ist, dass man meinen könnte, er sei 2026 geschrieben worden.
Sag, Hey!
Hör das Geräusch des fallenden Regens,
der herunterkommt, wie eine apokalyptische Flamme. (Hey!)
Die Schande, derjenigen die namenlos starben.
Hör die Hunde im falschen Ton heulen,
Zu einer Hymne namens "Glauben und Elend". (Hey!)
Und sie bluten, denn die Gesellschaft hat heute den Krieg verloren.
Ich bitte euch, träumt und unterscheidet euch von den wertlosen Lügen!
Dies ist der Anfang vom Rest unseres Lebens
Im Urlaub!
Hör die Trommel, die nicht im Takt schlägt.
Ein weiterer Demonstrant hat die Grenze überschritten. (Hey!)
Um herauszufinden, dass das Geld auf der anderen Seite ist.
Bekomm' ich ein weiteres Amen? (Amen!)
Es wurde eine Flagge um eine Menschenmasse gewickelt. (Hey!)
Ein Scherz, eine Plastiktüte auf einem Denkmal.
Ich bitte euch, träumt und unterscheidet euch von den wertlosen Lügen!
Dies ist der Anfang vom Rest unseres Lebens
Im Urlaub!
"Der Abgeordnete von Kalifornien hat das Wort"
Sieg Heil dem Präsidenten Gasmann.
Bombardierung ist deine Bestrafung.
Pulverisiere den Eiffelturm,
der deine Regierung kritisiert.
Bäm Bäm macht das gebrochene Glas und
töte all die Schwuchteln, die nicht zustimmen!
Versuchen Feuer zu bekämpfen, Feuer zu legen
Ist kein Weg, der mir bestimmt ist.
Einfach weil, einfach weil
Weil wir Gesetzlose sind, JA!
Ich bitte euch, träumt und unterscheidet euch von den wertlosen Lügen!
Dies ist der Anfang vom Rest unseres Lebens
Ich bitte euch, träumt und unterscheidet euch von den wertlosen Lügen!
Dies ist der Anfang vom Rest unseres Lebens
Das ist unser Leben im Urlaub.
Puuh, ein heftiges Lied. Auch wenn das Lied schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat, ist es für mich hochaktuell. Ich will die Gründe für den aktuellen Irankrieg – also die offizielle Version – gar nicht wissen. Die inoffiziellen Gründe kann man in diesem Lied wieder gut erkennen. Symptomatisch ist auf alle Fälle: wenn es innenpolitisch schwierig ist, dann zettel halt einen Krieg an. Eine Begründung finden wir schon.
Aber fangen wir von vorne an. Zunächst wird darauf hingewiesen, welche Mengen dem Krieg zum Opfer gefallen sind. Tausende. Und wer kennt schon alle Namen? Ja, ist man betroffen (und von einem Tod sind im Schnitt über 100 Menschen betroffen), dann kennt man den einen Namen. Aber alle? Niemand wirklich.
In der zweiten Strophe (Hör die Hunde im falschen Ton heulen, Zu einer Hymne namens "Glauben und Elend". (Hey!) Und sie bluten, denn die Gesellschaft hat heute den Krieg verloren.) der erste Grund, den Krieg zu führen: Glaube und Elend. Im Namen des Glaubens sind schon so viele unnütze Kriege geführt worden. Es ging immer eigentlich um Macht und Geld, selten oder nie wirklich um den Glauben. Und die Kosten, den Schaden, das Leid: das trägt die Gesellschaft, mittelbar oder/und unmittelbar.
Und jetzt kommt zum ersten Mal der Refrain:
„Ich bitte euch, träumt und unterscheidet euch von den wertlosen Lügen!
Dies ist der Anfang vom Rest unseres Lebens
Im Urlaub!“
Aber warum steht da „im Urlaub“??? Die Wahrheit sagen, das Kind beim Namen nennen, das ist der Neubeginn der Zeit. Aber im Urlaub?
Ich verstehe es so: Der Urlaub hebt sich von dem Rest unseres Lebens ab. Hier können wir uns ausleben und unseren Interessen ohne Rücksicht auf unser normales Umfeld nachgehen. Und genau das soll man hier auch tun: ohne Rücksicht auf alles um einen herum erkennen und benennen, worum es hier eigentlich geht.
Und weiter geht es: „Hör die Trommel, die nicht im Takt schlägt. Ein weiterer Demonstrant hat die Grenze überschritten. (Hey!) Um herauszufinden, dass das Geld auf der anderen Seite ist.“
Diese Strophe zielt denke ich auf die Friedensdemonstrationen ab, die oft geführt werden, wenn ein neuer Krieg beginnt. Frieden bringt kein Geld, die Maschinerie beginnt im Krieg zu laufen.
Im weiteren Text „Bekomm' ich ein weiteres Amen? (Amen!) Es wurde eine Flagge um eine Menschenmasse gewickelt. (Hey!) Ein Scherz, eine Plastiktüte auf einem Denkmal.“ werden wieder Gründe für einen Krieg benannt, religiöse Gründe, staatliche Gründe und Gründe für den Krieg gegen eine Person. Diese werden in Symbole gelegt, so wie die Plastiktüte auf dem Denkmal, das man so gar nicht erkennen kann, zumindest nicht so, wie es ist. So wie die Flagge, die für ein Land steht, mit denen man eine Menschenmasse in eine Richtung schieben kann. So wie das aufgeforderte Amen, welches man in der Gruppe kaum verweigert. Egal, wie man sonst dazu steht. Mit diesen Gründen kann man die Massen begeistern.
In der nächsten Strophe weitere „Gründe“ für einen Krieg:
„"Der Abgeordnete von Kalifornien hat das Wort"
Sieg Heil dem Präsidenten Gasmann.
Bombardierung ist deine Bestrafung.
Pulverisiere den Eiffelturm, der deine Regierung kritisiert.“
Du willst nicht so, wie ich es will? Ja, du kritisierst mich? Dann muss ich in den Krieg gegen dich ziehen und dich vernichten. Um jeden Preis. Du wirst nicht meinen Leumund vernichten, ich vernichte dich.
Das Glas zerbricht und die Menschen, die getötet werden, die haben es verdient. Hier sind es Schwuchteln, genauso könnten es Nazis, Gottesleugner oder sonstige Schimpfwörter sein. Ehrlich: ein Land besteht doch aus verschiedenen Menschen, es sterben alle gleichermaßen, egal ob Kind oder Erwachsener, egal ob ehrlich oder unehrlich, egal ob Christ oder Nicht-Christ. Das Leid im Krieg stoppt nicht davor, wer oder was du bist. Es trifft alle.
Und so kommt in der letzten Strophe der echte, ehrliche Blick: „Einfach weil, einfach weil.. Weil wir Gesetzlose sind, JA!“ Genau deshalb wird Krieg geführt. Das Recht wird in die eigene Hand genommen. Es gibt keine Rechte, keine Gesetze mehr, die für alle gelten. Das ist der eigentliche Grund für Krieg. Egoismus, Macht- und Raffgier. Nichts anderes.
Nur wenn das uns eingestehen, es anerkennen, dann haben wir die Chance, Kriege zu verhindern. Dann können wir im eigenen Regime rechtzeitig die Zeichen erkennen und die Menschen nicht an die Macht lassen, die eigennützig Parolen grölen, ohne Sinn und Verstand. Die Menschen, die massentaugliche Slogans verteilen, zu schön um wahr zu sein, diesen Menschen müssen wir auf die Finger schauen. Das ist unsere Pflicht, um die Nächstenliebe, die uns Jesus aufgetragen hat, und der Schutz der Natur, die uns Gott mitgegeben hat, auszufüllen.
Und? Wer hat es erkannt? Es ist das Lied Holiday von Green Day, welches zu Zeiten des Irakkrieges geschrieben wurde und ein wirkliches Antikriegslied ist.
„Holiday“ wurde am 14. März 2005 veröffentlicht. Er ist im Album American Idiot (2004) enthalten. In den USA erschien das Musikvideo bereits im Februar 2005.
Im Netz findet man zu diesem Lied folgende Hinweise.
„„Holiday“ handelt von der amerikanischen Regierung und Gesellschaft während des Irakkriegs. Es beginnt mit der Feststellung, dass die Tausenden toten Amerikaner und Iraker für den Durchschnittsbürger namenlos sind. Das Lied beleuchtet dann die Gier und Korruption der Konzerne im Zusammenhang mit dem „Wiederaufbau“ und zeigt, wie der durchschnittliche Demonstrant erkennt, dass die Geldgeber der Kriegsbefürworter mehr Macht besitzen, als er jemals haben könnte. Es verdeutlicht auch die Ironie, dass sich die christliche Rechte in diesem Krieg religiös gerechtfertigt fühlt: „Kann ich noch ein ‚Amen‘ hören? Da ist eine Flagge um die Dutzend Männer gewickelt.“
Dies knüpft an die Geschichte des Albums an. Jesus of Suburbia hat die Stadt verlassen und lebt nun auf der Straße („Hör den fallenden Regen…“). Er spricht laut und handelt vergeblich, doch es scheint, als rede er sich ein, dass seine Flucht richtig war, und erklärt sich selbst seine Gründe für die Unzufriedenheit. Er fühlt sich immer noch allein und von der Gesellschaft gemieden, aber unterwegs scheint er etwas mehr Selbstvertrauen und Glück zu empfinden. Es ist Jesus of Suburbia, der seine eigenen, längst überholten Überzeugungen in die Welt hinausschreit. Als würde er in die Luft brüllen.
„In den Urlaub fahren“ bedeutet Urlaub machen, im Kontext des Albums ist es also wie eine Flucht, ein Ausbruch. Das Lied führt uns dann auf den trostlosen Boulevard der zerbrochenen Träume .
Dieses Lied wird oft als antiamerikanisch betrachtet, aber auf der Green Day- DVD „Bullet In A Bible“ sagt Leadsänger Billie Joe Armstrong: „Dieses Lied ist nicht antiamerikanisch, es ist gegen den Krieg. “
Billie Joe Armstrong erzählte dem Q- Magazin im Mai 2009, dass er manchmal selbst nicht wisse, woher er seine Lieder nehme. Als er beispielsweise in diesem Song „Sieg Heil dem Präsidenten, dem Gasmann“ sang, sei er selbst erschrocken gewesen. Er sagte: „Ich dachte nur: Wo zum Teufel kommt das her? Es war, als würde man ein hässliches Bild noch hässlicher machen. Das Einzige, was es rechtfertigt, ist, dass es wahr war.“
Obwohl der Song konservative Agenden kritisiert, verschont er Liberale nicht gänzlich. Armstrong erklärte gegenüber MTV: „Ich bin gegen den Krieg, daher dreht sich vieles auf dem Album darum, und es gibt auch verschiedene Aspekte. Da ist zum Beispiel eine Zeile, die auch Liberale ein wenig irritiert: ‚Hör die Trommel aus dem Takt schlagen/ Ein weiterer Demonstrant hat die Grenze überschritten/ Um festzustellen, dass das Geld auf der anderen Seite ist.‘“
Er fährt fort: „In dem Song [‚Holiday‘] geht es um dieses Sammelsurium von Menschen mit all ihren starken Meinungen, die sich einfach nicht einigen können, und die Entscheidungen demjenigen überlassen, der verwirrt und überfordert in der Mitte steht.“
Das Musikvideo ist eines von mehreren, die Samuel Bayer für Green Day inszenierte. Weitere Videos sind „Boulevard Of Broken Dreams “, „Wake Me Up When September Ends “ und „American Idiot “.
„Holiday“ spiegelte Armstrongs Reaktion auf die Kriegspropaganda nach den Anschlägen vom 11. September wider. „Es war, als würden wir den Vietnamkrieg unserer Generation erleben“, sagte er gegenüber People. „Ich schrieb darüber, wie beängstigend es war, die Nachrichten im Kabelfernsehen zu verfolgen und zu sehen, wie die Panzer anrollten, um zu suchen und zu zerstören. Es war das erste Mal, dass ich eine so tiefe Spaltung in unserem Land spürte. Das Lied ist einfach ein Antikriegssong.“
Billie Joe Armstrong ändert bei Live-Auftritten von „Holiday“ manchmal die Zeile „Der Vertreter aus Kalifornien hat das Wort“. Im Jahr 2026, nach der Veröffentlichung der Epstein-Akten , verwendete er manchmal die Zeile „Der Vertreter von Epstein Island hat das Wort“.“
Ich wünsche uns allen, dass die Kriege in der Welt aufhören, dass Machtgier und Gewalt endlich ein Ende haben. Und ich wünsche uns, dass wir in unserem Umfeld erkennen, wenn uns jemand ein X für ein U aus eigennützigen Gründen vormachen will. Ich wünsche uns, dass wir die Mut und die Kraft haben, dagegen anzugehen, und solche Polemiker bei uns keine Chance haben, an die Macht zu gelangen.
geschrieben von Kirsten Gutleben

